Geschichten · aus · dem · Weinkeller

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Heute saß sie wieder auf dem Fensterbrett neben dem blühenden Ritterster und schaute auf die Zypressen im Vorgarten und die hohen Türme der barocken Kirche am anderen Ufer des Flusses, - eine schottische Faltohrkatze. Sie ist weiß wie der Schnee, der an den Berghängen das zarte Grün der Maisglöckchen bewahrt, und hat ungleiche Augen – das linke ist gelblich, das rechte ist grün. Sie heißt Fräulein Winter. So steht es in ihrem Halsband eingraviert. Aber ich nenne sie Caprice.

Wir gehen in die Wohnung hinein. Ich spreche mit ihr, sie antwortet nie. Ich zünde die letzten Kerzen an und wir speisen zu Abend: Petit Fours und eine kleine Tasse Café mélange.

Schon bricht die Dunkelheit herein und der Lärm der Straßen wird flüsternder. Ich überarbeite mein Manuskript, sie legt sich auf das Sofa und verschmilzt mit der hellen Farbe des Damastes zu einem Schimmern.

Die Stunden verstreichen, dann wacht sie auf aus ihrem Schlummer, streckt ihren geschmeidigen Leib und hebt die Pfote und streichelt das kalte Antlitz des Mondes, der mit seinem Glanz die Bibliothek überflutet. Sie umhüllt ihn mit einer Wolke, bettet zum Schlaf und fängt an leise zu murren, als ob sie ein Wiegenlied sänge. Der Mond schmunzelt. Ein Fluss aus leuchtendem Licht zieht sich über das ganze Sternenzelt, fließt durch die Fenster hinein, zerbricht zu kleinen glitzernden Bächen und rieselt hernieder wie ein Sommerregen.

Der silberne Staub wirbelt in der Stille der Nacht, fällt auf die Möbel, bedeckt die Bücher, vereinigt sich mit den Buchstaben meiner Novelle. Ich bin entrückt in eine phantastische Welt jenseits des Traums und beginne endlich zu schreiben, nach so vielen Monaten der Wortkargheit und Verzweiflung - die zauberhaften Märchen der Confabulatores nocturni.

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E
s hat plötzlich geschneit, - in der Nacht vor Allerheiligen. Wie ein Teppich mit orientalischen Ornamenten lag der Schnee auf Feldern, die kahl und öde standen nach der üppigen Ernte von Weizen und Roggen. Als ob er geflochten wäre in den bekannten Webereien Isfahans aus Silberfäden, glitzerndem Topas und seltenem Lapislazuli. Der Schnee wisperte leise zu den vor Kälte erstarten Sperlingen auf den Dächern der Häuser, flüsterte etwas zum frischen Wind und erinnerte spöttisch den Herbst daran, dass seine Herrschaft bald zu Ende sein werde. Der hochmütige Winter wird Einzug halten in die stille Welt. Die Tage werden kalt und kurz sein, die Nächte dunkel und starr. Unter einer dicken Eisschicht werden Waldseen ruhen und mit Verzierungen des Raureifs die Fenster geschmückt sein.

Der Vollmond schaute überrascht auf das weiße Antlitz der Erde und vergrub sich in den nebligen Wolken, nach ein bisschen Wärme vergeblich suchend. Die Luft war klirrend.

In den Weinbergen brannten Lichter. Aufgebrachte Morlocks schlichen hin und her zwischen den Weinstöcken, warfen Birkenscheite ins lodernde Feuer und pflückten die reifen Weintrauben in die großen Flechtkörbe, die sie auf den Schultern trugen. Die schwere Last brachten sie in den Keller. Die Morlocks, an den hellen Licht nicht gewöhnt, kniffen ihre Augen zusammen. Empört schauten sie auf eine Rabenfamilie, die auf dem Beete mit Kürbissen saß und auf eine reiche Beute hoffte.

Am Hügel stand ein weißes Haus mit einer Portikus aus sechs korinthischen Säulen. Große Fenster starrten die Welt finster aus ihren leeren Augenhöhlen an. Nur ein glimmerndes Licht in der Mansarde ließ den Reisenden erkennen, dass in dieser Nacht noch nicht geschlafen wurde.

Eve schaute sich um, als sie das knarrende Geräusch der Tür vernahm. Attarib kam in das Zimmer. Er blinkte schläfrig und nahm sich den Schal vom Hals. Der schwarze Kater sah erledigt aus. Mit seiner ruhigen Pfote gieß er sich etwas Whiskey aus der Flasche auf dem Tisch ein und setzte sich neben die Herrin.

„Wir sind jetzt fast fertig“, sprach er müde und trank den Tropfen bis zur Neige aus. „Ich weiß nicht, was wir morgen in der Kelterei noch zu hören bekommen.“

Eve grübelte nach, den Kater hinter dem Ohr streichelnd. Draußen wurde es allmählich leise. Das Feuer erlosch. Auf dem engen Pfand erkannte sie Silouhetten der erschöpften Morlocks, die langsam nach Hause gingen – sachte flüsternd und sich unzufrieden die Bäuche kraulend.

Und irgendwo am Horizont erwachte langsam die Sonne. Der Himmel wurde heller und erstrahlte im Glanz von schrillen Farben.

*Auf Russisch


Дмитрий Егоровский, 2003: *Осенний ветер*
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